Es ist Zeit für ein eigenes Hybridweizenprüfsystem
Der erste Hybridweizen HYBNOS 1 wurde 1999 zugelassen und führte im Durchschnitt zu einer Ertragssteigerung von 10 % auf Grenzstandorten – gemessen an den damals leistungsstarken Liniensorten wie Ritmo, Drifter und Dekan. Der genetische Vorsprung des Hybridweizens wurde in den offiziellen Prüfungen bisher nicht ausreichend herausgearbeitet, weil die dortige Bestandesführung dem Hybridweizen nicht gerecht wurde.

Der Leistungsvorsprung des Hybridweizens beträgt 10–15 % auf schwierigen Standorten – aber nur, wenn die Agronomie auf die Hybriden angepasst wird. Das Versuchsdesign der offiziellen Prüfungen ist jedoch darauf nicht ausgerichtet, es werden z. B. in der Wertprüfung alle Sorten innerhalb eines Blockes geprüft. Lediglich die Saatstärke der Hybriden wird auf 75 % der Aussaatstärke der Linien reduziert. Wenn jedoch einzelne Versuchsstandorte erst sehr spät z. B. Ende Oktober bestellt werden können, dann bleibt den Hybridweizenbeständen kaum noch Zeit, die geringere Bestandesdichte bis zum Winter zu kompensieren.
In der Praxis wird Hybridweizen in der Regel mit 100 bis max. 170 Kö/m² gedrillt, daher muss die Agronomie so angepasst werden, dass alle Nebentriebe mitgenommen werden. Daher ist eine frühe und „scharfe“ Andüngung essenziell. Gut geeignet sind stabilisierte N-Dünger, da hier mit einer entsprechend hohen Startgabe auf die Schossergabe verzichtet werden kann. Auch eine frühzeitige Brechung der Dominanz des Haupttriebs (BBCH 25–29) z. B. durch den Einsatz von CCC fördert die Entwicklung der Nebentriebe. Die eigentliche Einkürzung des Halmes folgt bei Bedarf in BBCH 32 durch z. B. Moddus®.

In den offiziellen Versuchen wie Wertprüfung oder Landessortenversuche werden alle Weizensorten gleich behandelt. Das genetische Potenzial der Hybriden kann daher nicht voll ausgeschöpft werden. Die Sorte Hymalaya z. B. lag in den letzten zwei Jahren mit 1–2 % Vorsprung zwar an der Spitze des A-Weizen Sortiments der Landessortenversuche. Von offizieller Seite wurde auch bestätigt, dass es bis dato der ertragreichste A-Weizen ist. Eine Anbauempfehlung erfolgte jedoch nicht, weil aufgrund hoher Saatgutkosten die ökonomische Relevanz nicht gegeben war. Das stimmt, wenn der Linienweizen mit 300 Kö/m² und der Hybridweizen mit 225 Kö/m² gesät wird. Tatsächlich werden in der Praxis aber Saatstärken von 200 Kö/m² selbst bei späten Terminen nie überschritten, viele Praktiker säen bei rechtzeitiger Saat nicht mehr als 100–120 Kö/m².
Deshalb wurde jetzt eine Leistungsprüfung für Hybridweizen entwickelt, bei der Aussaatstärke, Aussaatzeitpunkt und Anbautechnik an die Hybriden angepasst wurden. Die leistungsstarken Linienweizen RGT Reform, Asory, Informer sind die Vergleichssorten, die konventionell geführt werden. Der Versuch ist zunächst auf sechs Standorte in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg begrenzt, weil hier die Möglichkeit besteht, den Hybridweizenversuch auf den gleichen Standorten zu platzieren wie die Landessortenversuche. Der Versuch soll perspektivisch als eigener Landessortenversuch für Hybridweizen aufgebaut werden.
Im Versuch zeigte sich diese Sortenabhängigkeit deutlich: Informer zum Beispiel realisierte eine hohe TKM, die im Versuch konstant bei ca. 50 g lag (Tab. 3). Dieses Niveau konnten die Sorten SU Hyvega, SU Hypatia und SU Hyleya zwar nicht erreichen, lagen aber über Asory und RGT Reform.
Daniel Husmann
Stand: 18.12.2019