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Ökonomie

Futtermittel ohne Restriktion – mehr Effizienz in der Mast

Roggen ist in vielen Merkmalen die effizienteste aller Getreidearten: Wasser-, Nährstoff- sowie Kosteneffizienz sind nur einige Beispiele. Ergebnisse eines Gemeinschaftsprojektes mit der Universität Leeds belegen, dass Roggen auch in der Fütterung hervorragend geeignet ist, die Effizienz im Stall zu verbessern. Fenja Luhmann, SAATEN-UNION, und Dr. Wilke Griep, SALVANA TIERNAHRUNG, berichten.

Bild agrarpess

Der Futterverbrauch verursacht in der Mast den größten Kostenblock. Umso wichtiger ist es, die Komponenten von Futtermischungen gezielt einzusetzen und Verluste zu mindern. Alles was die Futterverwertung verbessert, trägt zu Futterkostensenkung, Ressourcenschonung und damit zu Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Erzeugung bei.

Von der Universität Leeds wurden hierzu jetzt erste Ergebnisse einer Studie vorgelegt, deren Ziel es war, die Auswirkungen eines zunehmenden Anteils von Hybridroggen in Schweinefuttermischungen zu untersuchen. Eine Versuchsfrage war, ob der Roggenanteil in der Mischung auf die Wachstumsleistung, die N- und P-Verdaulichkeit und die Darmgesundheit einen Einfluss hat. Zusätzlich wurde der Effekt der Fütterung des Hybridroggens auf den N- und P-Gehalt der Gülle analysiert.

Die Universität Leeds ist eine erfahrene und anerkannte Forschungsinstitution im Bereich der Tierwissenschaften. Sie zählt zu den renommiertesten europäischen Forschungseinrichtungen auf den Gebieten der Ernährung, des Verhaltens und der Haltung von Schweinen. Dies ist der erste von insgesamt drei Teilen, die wir in der praxisnah präsentieren wollen. In Teil I gehen wir auf die Ergebnisse der Wachstumsleistung ein.

Der Versuch

In England werden die Tiere klassisch von 35 kg bis zur Schlachtreife von 105–110 kg gemästet. Das unterscheidet sich von der in Deutschland gängigen Praxis (28–125 kg). Die Schweine werden in England traditionell nicht kastriert und daher sehr viel jünger und leichter geschlachtet, bevor sie einen „Ebergeruch”, Aggressionen oder Sexualtrieb entwickeln.

In einem komplett randomisieren Blockdesign wurden sechs verschiedene Fütterungsregimes, die sich nur im Anteil des Roggens am Getreide in der Mischung unterschieden, miteinander verglichen (0 %, 20 %, 40 %, 60 %, 80 %, 100 % Roggen). Der Mastversuch erstreckte sich über zwei Durchgänge in einer Endmastanlage mit zwei Abteilen und jeweils 12 Mastbuchten je Abteil. Eine Bucht war mit acht bis neun Tieren und gleicher Geschlechterverteilung belegt. Insgesamt wurden so 68 Schweine je Behandlung mit acht Mastgruppen bzw. Wiederholungen der Untersuchung zugrunde gelegt.

Bei der Schweinerasse handelte es sich um eine für England geläufige Kreuzung aus [Large White x Landrasse x Duroc]. Es wurde eine noch im UK weitverbreitete einphasige Fütterung mit einer Getreide-Sojaextraktionsschrot-Mischung aus Gerste und Weizen als Kontrolle herangezogen. Um einen möglicherweise vorherrschenden Dosis-Wirkungseffekt festzustellen, unterschied sich das Futter der Versuchsgruppen durch den Anteil Roggen am Gesamtgetreide in der Mischung. Alle Futtermischungen erreichten mit etwas über 17 % Rohprotein eine für Deutschland ungewöhnlich hohe Proteinversorgung.


Ergebnisse der Studie der Universität Leeds

Mehr Roggen, höhere Tageszunahmen

Die Mast der Schweine von 38 bis 105 kg Lebendgewicht zeigte signifikante Unterschiede zwischen der Kontrollfütterung mit Gerste und Weizen und den Roggen-Versuchsmischungen.

Im Mittel der gesamten Mast erreichten die Schweine in der Breifütterung 992 g Tageszunahmen bei durchschnittlich 2,96 kg Tagesfutteraufnahme (S. Tab. 1). Die Verwendung von Roggen als Futterkomponente hat auch unter den Fütterungsbedingungen in England eine Verbesserung der Fütterungseffizienz zur Folge. Die sehr stark roggendominierten Fütterungsgruppen zeigten sogar eine Überlegenheit gegenüber den anderen Roggen-Versuchsgruppen. In der Tageszunahme ist eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung erkennbar. Mit zunehmendem Roggenanteil in der Getreidemischung stieg die Tageszunahme, wobei die Futterverwertung auf einem stabilen Niveau verharrte.

Mehr Roggen -> bessere Futterverwertung -> mehr Wirtschaftlichkeit

Es ist eine signifikante Überlegenheit in der Futterverwertung der Versuchsgruppen mit Roggen gegenüber der reinen Weizen-Gerste-Mischung feststellbar. Aus diesen beiden Effekten ergibt sich kalkulatorisch ein wirtschaftlicher Gesamtvorteil in der Kennzahl „Überschuss über Futterkosten” in der Größenordnung von 6 bis 8 €/Schwein. Das entspricht einem Wirtschaftlichkeitsvorteil bis zu 0,70 €/kg Schlachtgewicht (s. Tab. 1).

Noch mehr Kosteneinsparung bei N-reduzierter Fütterung

Bei einer mittlerweile in Deutschland immer mehr verbreiteten mehrphasigen N-reduzierten Fütterung bieten höhere Roggenmischungsanteile insbesondere in der Mittel- und Endmast viel Potenzial, die Proteingehalte und die Futterkosten noch weiter abzusenken. Denn Roggen hat nicht nur im Ackerbau, sondern auch als Energie- und Nährwertlieferant in der Fütterung die Nase vorn.

Mit Roggen bis zu 7 Euro mehr pro Schwein

Bei der Gegenüberstellung der Kontrollfütterung mit dem Mittel der Behandlungsgruppen mit Roggenanteilen bis höchstens 80 % lassen sich aus den in der Studie festgestellten Wirtschaftlichkeitskennziffern Vorteile bis 7 € je Schlachtschwein beim Ansetzen von lokalen Preisen kalkulieren.

Die alleinige Verwendung von Roggen als Getreidekomponente ist nach den Ergebnissen dieses Versuches kein Nachteil. Im Gegenteil: Die Behandlung zeigt außergewöhnlich günstige Auswirkungen sowohl auf die Tageszunahme als auch auf die Futterverwertung. Jedoch weichen die Werte der 100 %-Variante von den statistisch zu erwarteten Werten ab. Hierfür gibt es z. Zt. noch keine schlüssige Erklärung, hier müssen weitere Untersuchungen folgen.

Im Unterschied zu deutschen Mastverhältnissen sind die Werte der Futterverwertung um etwa 0,2 bis 0,4 Verwertungspunkte ungünstiger. Sowohl die stärkere Ausrichtung auf Wachstum in den englischen Endproduktkreuzungen als auch die Fütterungstechnik und Futterdarreichungsform können dafür verantwortlich sein.

Die Futteraufnahme ist in der Weizen-Gerste-Mischung am höchsten und die Tiere in den Behandlungen mit Roggen im Getreide fressen signifikant weniger. Trotzdem generieren sie gleichzeitig höhere Tageszunahmen. Die Fütterungsstrategie, die ausschließlich Roggen als Getreide berücksichtigt, hat die niedrigste Futteraufnahme und höchste Tageszunahme zur Folge. Roggen als Fütterungskomponenten scheint somit Einfluss auf die Verdauungs- und Verwertungseffizienz in der intensiven Schweinemast zu haben!

Fazit

In der hier vorgestellten aktuellen Studie der agrarwissenschaftlichen Forschung der Universität Leeds (UK) fressen Mastschweine weniger, haben aber zugleich höhere Tageszunahmen. D. h., die Verwertungseffizienz ist besser und resultiert in einem höheren Mastendgewicht. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass entweder das Endgewicht mit weniger Masttagen erreicht wird oder aber innerhalb derselben Mastzeit ein höheres Endgewicht realisiert werden kann. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Roggen nicht nur mit extrem hohen Anteilen in der Mast als Getreide ohne negative Einflüsse eingesetzt werden kann, sondern auch zur wesentlichen Verbesserung der Effizienz im Stall beiträgt. Und: Roggen ist günstiger im Anbau als Weizen oder Gerste.

Dr. Steven Laird (Animal Science Postdoctoral Research Fellow):

„Bislang ist es in Großbritannien nicht üblich, Schweine mit Roggen zu füttern. Futterkosten, Tierschutz und Nährstoffreduzierung sind ein großes Thema für die britische Schweineproduktion, und wir sind auf der Suche nach alternativen und nachhaltigeren Futtermittelkomponenten neben Weizen und Gerste. Roggen scheint das Potenzial zu haben, die Futterverwertung zu erhöhen und Kosten zu senken – ohne negative Auswirkung auf die Gesundheit. Die Untersuchungen sind im Gange, und es wäre schön, wenn dieses Projekt weitergeführt werden könnte.”

Das Effizienz Saatgut.

Insbesondere auf Stressstandorten und unter für konventionelle Sorten suboptimalen Anbaubedingungen hat sich das Hybridgetreide als effiziente, ertragreiche und vor allem auch ertragsstabile Fruchtart bewiesen. Je schwieriger die Anbaubedingungen, desto größer ist der Ertragsvorsprung.

Dieses gilt vor allem bei ungünstigen Wetter- und Bodenbedingungen, ungünstigen Vorfrüchten, knapper Nährstoffversorgung und erhöhtem Krankheitsdruck. Dieser Vorteil der Hybriden beruht vornehmlich auf dem besonderen Heterosiseffekt, der zu einem ausgeprägteren Wurzelwerk, stärkerer Bestockungsneigung und Blattentwicklung, sowie einem besseren Kompensationsvermögen nach Stresseinwirkung führt. Im Saatgutvertriebsunternehmen Saaten-Union sind Züchterhäuser formiert, die sich seit Jahrzehnten in die Züchtung von Hybridweizen und Hybridroggen und seit einigen Jahren auch Hybridgerste engagieren. Dieses Engagement ist jetzt im internationalen HySEED-Programm intensiviert und gebündelt worden. Die Zuchtziele sind dabei klar definiert durch das, was der Markt in Zukunft fordern wird: Mehr Leistung und Leistungsstabilität, mehr Effizienz. Die Vorteile, die Hybridroggen und -weizen gegenüber Liniengetreide haben, werden wir Ihnen auf diesen Seiten demonstrieren. Aber auch, auf welcher züchterischen Leistung der Mehrwert der Hybriden beruht. Wir sind davon überzeugt: Hybridgetreide ist prädestiniert, Anbaurisiken zu vermindern, die aufgrund des Klimawandels und sich ständig verschärfender politischer Rahmenbedingungen stetig zunehmen.